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Delia & Fay v.d. Schellenwiese

2 Tage Kassel - eine Richterin, ein Platz & ein riesiges Schlammloch!

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Beginnen wir mit dem Ende. Wäre ich 40 Jahre jünger, so hätte es wohl kaum ein schöneres Wochenende für mich geben können, als das Zurückliegende in Kassel Wie mir meine Mutter jüngst berichtete, soll sie, als ich noch Kind gewesen bin, so manchesmal an mir verzeweifelt sein. Der Kummer, welchen ich ihr in frühester Kindheit bereitet haben muss, soll wohl heftig gewesen sein. Nach ihrer Aussage wusste ich schon sehr früh, wie und wo es nach oben geht. Als meine Eltern 1969 sich, meinen Geschwistern und mir ein Heim bauten, fand ich im stolzen Alter von nur zwei Jahren, ganz allein den Weg über das Gerüst hoch hinaus bis an die Dachrinne. Wie ihr an solchen Taten erkennen könnt, reichte es mir als Kind ebend nicht, mit meiner älteren Schwester im Dreck und im Sand der Baustelle zu spielen. Wer jetzt denkt, der ist später bestimmt Maurer, Baggerfahrer oder Dachdecker geworden, der irrt. Meine Kindheit hat mich nämlich, zumindest was das Spielen im Schlamm und Dreck angeht, dann wohl eher nicht geprägt!

Unser Wochenende begann bereits am Donnerstagabend in der Küche. Die Automechanikerin mit den Fußballerwaden aus Münster, nebst ihren zwei verrückten Aussies, hatte sich für Freitagnachmittag zum Agilitytraining bei uns in Soest eingeladen. Es war geplant im Anschluss an das Training mit ihr und ihren zwei Jungs, sowie meiner Heldin gemeinsam nach Kassel zur Michaela, ihrer Ditsch und ihrem Gleeeeen zu fahren. Dort sollte unser letztes Agi-Outdoor-Turnier für dieses Jahr stattfinden und eigentlich freute ich mich schon auf einige spannende, interessante Läufe und darauf meinen selbstgemachten Chillinudelsalat mit Nina, die bisher nur Steaks als mein Hauptnahrungsmittel kannte, zu teilen. Die Fahrt nach Kassel verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle, wurde jedoch durch gelegentliche Knabbergeräusche aus dem Heck meines Fahrzeugs gestört. Hatte ich etwa Leckereien im Kofferraum vergessen? In Kassel angekommen hatte mir wohl jemand mein Border Collie Schild von der Seitenscheibe genascht. Während Nina felsenfest die Meinung vertrat, dass Donna kein Border Collie mehr sein wollte und deshalb das Schild zerstört habe, wertete ich die Zerstörung als einen Affront eines oder mehrerer Aussies gegenüber einem armen kleinen Bordermädel.

Nina hatte sich in den letzten Tagen echt die Finger wund telefoniert um noch eine preiswerte Pension mit zwei Einzelzimmern und drei Hunden zu finden. So kamen wir bei Familie Hartmann, unweit des Bahnausbesserungswerkes und dem Schnitzelrestaurant nahe der Kleingartenkolonie unter. Letzteres besuchten wir direkt nach unserer Ankunft bei den Hartmanns, denn mein zubereiteter Chillinudelsalat versauerte buchstäblich im Kühlschrank des Hundeplatzes, wo ich ihn für dieZeit des Trainings geparkt hatte, damit er nicht der Sonne im Auto ausgesetzt sein musste.

Nach einer halbwegs ruhigen Nacht, lediglich unterbrochen durch einige Rangiergeräusche des Bahnausbesserungswerkes nebenan, überzeugten uns die Hartmanns an einem Samstagmorgen bereits um 07.15 Uhr mit einem echt gescheiten Frühstück. Anschließend ging es bei strömenden Regen hoch zur Hasenhecke. Dort angekommen erfreuten wir uns bereits während des Zeltaufbaus über die tollen Zelnnachbarn. Auf seine Kommentare hin, die ich nicht erwähnen möchte, wünschten Nina und ich ihm viel Erfolg für die anstehenden Prüfungen und ließen ihn buchstäblich und im warsten Sinne des Wortes links liegen. Am zweiten Tag, gab er gegen 11.00 Uhr vormittags entnervt auf, baute sein Zelt ab und war von da an nicht mehr gesehen!

Die gestellten Parcourse der konsequenten und vorurteilsfreien Leistungsrichterin Gabriele Kermes ließen für diesen Tag einige Überraschungen erahnen. Als ich den Tunneleingang direkt neben und seinen weiteren Verlauf unter der A-Wand liegen sah, wusste ich nicht, ob das wie ausgeschrieben ein Beginner oder ein A3er Parcours sein sollte. Da ich jedoch keinen Slalom erblicken konnte, lehnte ich mich zurück, denn es musste es sich wohl tatsächlich um den Beginnerparcours handeln. Während die Beginner und diekassel20091011-02 A1er mit den Tücken des Parcoures haderten, regnete es draußen pausenlos. Nach und nach wurden die Laufspuren der Hundesportler tiefer und breiter. Das satte grün der Rasenfläche am frühen Morgen verwandelte sich an einigen Stellen nebenbei mehr und mehr zu einem leckeren Schokobraun. Nachdem dann auch noch A2er und wir A3er Hunde den Rasen verunstaltet hatten, genossen wir preiswerte Riesenbratwürste für 1,50 € und einen heißen Kaffee.

Als ich mich gerade damit auseinandersetzte, wie ich meinen Hund halbwegs sauber in die Pension bekommen würde, ertönte Michaelas stimme aus den Lautsprechern, dass man die Jumpings für den Nachmittag ausfallen lässt. So stand ein V5 mit der schnellstens Laufzeit zu Buche, was allerdings lediglich für den 10 Platz an diesem Tag reichte, da sich eine große Anzahl fehlerfreier Bummelzüge mit zu wenig Zeitfehlern vor uns geschoben hatten. Da es auch nicht aufhören wollte zu regnen, beschlossen Nina & ich kurzerhand den Tag mit einem ausgiebigen Regenspaziergang entlang der Fulda zu beenden. Zumindest wollten wir die Chance nicht ungenutzt lassen, unsere Hunde mit einem ausgiebigen Bad halbwegs sauber zu bekommen. Nach einigen Metern Spaziergang begleitete uns auch die Sonne und wir fragten uns, ob es oben an der Hasenhecke nun wohl weiter gehen würde mit dem Turnier. Mit einem Flasche Dornfelder im Gepäck, den wir unterwegs eingekauft hatten, kehrten wir in unsere Pension zurück und verbrachten den Abend bei einer Pizza Poppey und Rotwein dauendrückend für die Fußballnationalmannschaft in Ninas großräumigen Zimmer.

Der nächste Morgen begann wie tagszuvor, mit einer ausgiebigen Portion Wasser von oben. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Rührei und Lachs hieß es Abschied nehmen bei den Hartmanns. Wir verstauten unsere mühsam über Nacht auf der Heizung getrockneten Klamotten, und machten uns noch einmal auf den Weg hoch zur Hasenhecke zum zweiten Turniertag. Oben angekommen hörte es schlagartig auf zu regnen. Bei genauerer Betrachtung hatte der Turnierplatz am Vortag ganz schön gelitten. Nun fing man damit an,die schlimmsten Stellen mit "wenig" Sand auszubessern.  

kassel20091011-02Unsere Leistungsrichterin, übrigens die Gabriele vom Vortag, die die Bodenverhältnisse eigentlich hätte kennen müssen, tat sich damit hervor, den Parcours genau in die schadhaftesten Stellen des Platzes zu bauen. Es schien nicht ihr Tag zu sein, zumindest machte es den Anscheinals hätte sie keine so ruhige Nacht gehabt. Meine Anregung, den Parcour um einige Meter zu verrücken um so den schlimmsten Matschlöchern auszuweichen begegnete Sie mit einem forschen "Den Matsch würde sie selber sehen und im Übrigen hätte sie mich nicht nach meiner Meinung gefragt!" Ups, das hatte gesessen. Kleinlaut zog ich daraufhin von dannen und wünschte mir nichts sehnlicher, als dass sie selbst in der "Sch...." ausrutscht. Nach den Beginnern und A1 Läufen schien sie wohl doch noch von meinem Vorschlag Gebrauch zu machen und verrückte alle Geräte um einige Meter. Bei der anschließenden Parcourbegehung  zur A2 tat sie sich mit dem Satz hervor: "Ich habe versucht, das Schlammloch zu umbauen... - wie ihr seht, es ist mir nicht gelungen!" und "Führt eure Hunde also langsam durch den Parcours!" Nina und ich blickten uns tief in die Augen und wir wussten nicht, ob wir Lachen oder Weinen sollten. War das nun Böswilligkeit oder einfach nur Unflexibilität?

Nina durfte mit der A2 noch früher ran als ich und hatte Pech am Slalomeingang aus etwas größerer Distanz. Dafür durfte Donna zweimal über die A-Wand was sie jedesmal 1 - 2 Sekunden kostete da sie die Abgänge noch nicht so beherrscht und zudem aus vollem Lauf auf die WT Wippe ohne Belag. Wir meisterten den gesamten Parcour fehlerfrei, landeten aber 1 Sekunde hinter dem drittplatzierten Team auf dem 5. Platz. Während der Platz in vielen Bereichen noch unbeschädigt ausschaute, wurden nach der Mittagspause die schadhaftesten Stellen noch einmal mit Sand ausgebessert. Wer nun denkt, dass die Jumpings an dem inzwischen riesig gewordenen Schlammloch vorbei führen würden, der sei zumindest was den Jumping 3 angeht, eines besseren belehrt. Vielleicht erinnerte sich Gabi auch an ihrer Kindheit und in dem Zusammenhang wie schön es war im Schlamm und Dreck zu spielen und wollte uns ein Stückweit daran teilhaben lassen. Vielleicht war es aber auch nur Böswilligkeit, dass sie uns 3er dreimal durch das Schlammloch schickte. Ich habe sie zumindest bei der Siegerehrung als drittplatziertes Team nicht im Jumping nicht gefragt.

Freuen wir uns nun auf eine Wintersaison ohne Schlamm, ohne Regen und auf hoffentlich flexible Richter! 

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