Bericht vom Jutlandia Cup - eine Woche Agility (Trainingslager) in Dänemark!
Nachdem das Turnier in Husum beendet war machten wir uns auf den Weg in Richtung Kolding. Kurz vor der Grenze tankten wir noch einmal den Caddy voll, denn der Sprit ist in Deutschland günstiger als in Dänemark; und damit ist nicht nur der Alkohol gemeint. Es bietet sich an dies im Scandinavian Park direkt an der A7 zu machen, denn man kann hier auch noch das eine oder andere Vergessene nachträglich preiswert vor der Grenze erwerben. Nachdem wir uns noch einen King Deal in einem bekannten Fastfood Restaurant gegönnt hatten ging es weiter, die letzten Kilometer abreißen, Zelte aufbauen und endlich duschen. Letzteres war in Husum leider nicht möglich und wir fühlten uns allmählich ziemlich dreckig.
Die erste Überraschung erhielten wir an der Rezeption des Dänischen Sportcenters! Da man erst am nächsten Tag mit uns gerechnet hatte, durften wir zunächst noch für einen vollen Tag nachzahlen. Egal, dachten wir uns. Wir bekamen einen Plan in die Hand gedrückt und machten uns auf den Weg unseren Platz für das Eigenheim aus Zeltstoff der nächsten Tage in Beschlag zu nehmen. Das wichtigste natürlich wieder zu erst, erst den Kühlschrank an die Energieversorgung, denn es gibt nix schlimmeres als warmes Bier. Als wir dann endlich die Zelte stehen hatten, gönnten wir uns ein ausgiebiges Duschbad in den Umkleideräumen des Sportcenters, ein paar Steaks und natürlich ein kühles Frisches Produkt, gebraut nach dem Deutschen Reinheitsgebot, aus der Flasche
Am nächsten morgen werde ich unsanft und überhaupt viel zu früh geweckt. Nein nicht durch Donna, die liegt auf meiner Luftmatratze und ich auf ihrer Decke; verkehrte Welt. Mein Zeltnachbar Helge vermisst seinen Hund Finn. Scheinbar ist der gute Junge den Gerüchen der weiten Welt aus seinem Zelt gefolgt und ich höre nur noch "Finn" "Finn" "Peter Finn ist wech" ! Ich rappel mich hoch, es drückt auch die Blase und ich plane das Nötige mit dem Angenehmen zu verbinden. Nachdem ich mich nach wenigen Minuten und voller Tatendrang vor mein Zelt begeben hatte, tauchte das Dreamteam wieder aus dem Wald auf.
Wenigstens Finn schien in der letzten Stunde Spaß gehabt zu haben. Also hauten wir uns wieder auf die Matratze. Gegen 09.00 Uhr rappelten wir uns dann aber auf und sprangen erneut unter die Dusche. Wenige Minuten später spuckte der mitgebrachte Toaster die ersten Frühstückstoasts aus und der Wasserkocher pfiff uns das Nescafelied. Gleichzeitig beobachteten wir das Treiben auf dem Parcourplatz, der nur wenige Meter neben unserem Zelt errichtet wurde.
Pünktlich um 12.30 Uhr wurde eine weiße Linie um die Plätze gezogen. Hinter dieser durften dann die Parcourzelte aufgebaut werden und es begann ein Run um die begehrten Plätze. Wir hatten wieder einmal alles richtig gemacht und mein Popupzelt zum Parcour mitgebracht. Das stand natürlich innerhalb weniger Sekunden und ich erntete neidische Blicke von Sportlern aus ganz Skandinavien, den Niederländern, vor allem aber von den Österreichern und Schweizern! Egal dachte ich mir, darauf gönnst Du Dir erst einmal ein kühles Schöfferhofer.
Allmählich füllte sich der Zeltplatz und ich bekam es doch so langsam mit der Angst, dass unsere Biervorräte doch nicht reichen könnten, bei all den Bekannten. Also nahm ich Kontakt mit den zwei Ahlener Mädels, Ines und Nina, auf. Diese standen gerade vor dem Elbtunnel und ließen mich wissen, dass kein Platz mehr für einige Partyfässer in Nina´s Skoda wäre. Glücklicherweise hatte ich mit Michaela, die noch einen weiteren Tag in Husum laufen wollte, einen Trumpf im Ärmel. Die liebenswerte Saufziege erklärte sich selbstverständlich dazu bereit noch das eine oder andere Fässchen in ihrem Vectra mit nach Dänemark zu befördern. Im Gegenzug musste ich mich wieder einmal dazu bereit erklären ihr beim Zeltaufbau in den Abendstunden zu helfen. Mache ich doch gerne!
Wenige Stunden später tauchten die freche Springerführerin und die Automechanikerin mit den Fußballerwaden ;-) aus Ahlen bzw. Münster auf dem Gelände auf. Während wir 1,5 Stunden in der Schlange der Meldestelle anstanden, bauten die zwei Mädels ihr Zelt auf dem Zeltplatzgelände auf. Nachdem wir mit dem Melden fertig waren und uns daran machten den Elektrogrill anzuheizen, machten sich auch die Zwei auf zur Meldestelle. Wir frotzelten gerade noch darüber, dass wir die Steaks heute wohl alleine verdrücken müssen, als die zwei Beiden mit Tellern und Besteck in der Hand an unserem Tisch standen. Zum ersten Mal wohl doch nicht alles richtig gemacht. Darauf einige Schöfferhofer!
Nun aber endlich zum Wesentlichen! Nach einer unruhigen Nacht mit vielen Schnarchnasen, links, rechts und auch in dem Zelt hinter mir, erfolgte per Lautsprecherdurchsage eine dreisprachige Begrüßung, in dänisch, sowie in versuchten englisch und versuchten deutsch, der Sportlerinnen und Sportler. Wir konnten herausfiltern, dass der Jutlandia-Cup wohl genau an der gleichen Stelle stattfand wie vor drei Jahren. Das Sportplatzgelände war eingeteilt in drei Parcoure, in denen täglich bis zu 1050 A-Läufe, Jumpings und Opens angeboten werden sollten.
Nach der Begrüßung wurden wir mit dem Jutlandia-Lied festlich auf die Woche eingestimmt und für die ersten Sportlerinnen und Sportler sämtlicher Nationalitäten ging es danach gleich in die erste Parcourbegehung. Die Durchsagen in den Ringen waren zumeist auf Dänisch und schnell hatte ich herausgefunden, dass ich auf die Worte "stor" was soviel wie "groß" heißt und "trei" was wohl "drei" heißt, achten musste. Zu weiteren Vertiefungen meiner Dänischkenntnisse hat es nicht gereicht, obgleich es in den Fachgesprächen mit dänischer Beteiligung eines blonden Engels sicherlich möglich gewesen wäre, hier noch einmal einiges für die internationale Völkerverständigung zu tun! Aber auch die Mädels der schwedischen Nationalmannschaft waren durchaus für Fachgespräche zu begeistern.
Während der gesamten Woche wurden durch zahlreiche, international erfahrene Agility-Richter aus Schweden, England,
Dänemark und Deutschland anspruchsvolle Parcoure gestellt, dass weder uns noch den Zuschauern in den nächsten Tagen langweilig werden sollte. Abgesehen davon, dass die Klasse 3 jeden Tag erst sehr spät in das Geschehen eingriff, war an ein ausschlafen eigentlich nicht zu denken, denn man feuerte sich gegenseitig an und drückte sich gegenseitig die Daumen. So startete Helge mit Finn in der A1, Nina mit Pitú in der A2, Michaela mit DJ, Ines mit Anubis und Gwynn, als auch ich mit Donna in der A3. Während sich in der A2 zum Vergleich mit den anderen beiden Klassen nur wenige Sportler tummelten, waren die Klassen A1 und A3 mehr als rappelvoll. Dazu wird in Dänemark in der A1-Large auf 55 cm gesprungen, in der A2 auf 60 cm und in der A3 auf 65 cm. Auch steigen in Dänemark die Hunde nach Agility und Jumping getrennt auf. Es konnte also sein, dass man Hunde in der A3, aber auch im Jumping 1 oder Jumping 2 zu sehen bekam, natürlich auch umgekehrt.
In der A3 in der wir zu Hause waren, tummelten sich zahlreiche WM-Läufer aus allen nordeuropäischen Ländern, so dass ich mir erst gar keine Hoffnungen und Chancen auf eine Platzierung ausrechnete. In Dänemark ist es jedoch mit den Platzierungen etwas anders als in Deutschland geregelt, denn dort werden die ersten 10% jeder Klasse abends auf das Treppchen gestellt. Morgens begannen wir zunächst mit dem A-Open, in dem wir neben einem Stangenabwurf noch einen Kontaktzonenfehler, mal wieder am Wandabgang hatten (wann werde ich es endlich lernen meinen Hund zu kontrollieren). Nachmittags gingen wir dann als erstes Team im A3 an den Start. Nina, Ines, Michaela und Helge faselten etwas vom Start-Ziel-Sieg und ich zeigte ihnen auf diesen Kommentar hin meinen unbekleideten Mittelfinger. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht, dass sie mit ihrer Vermutung zumindest nahe dran waren, sonst hätte ich mir diesen Kommentar durchaus gespart, denn Donna und ich kamen nicht nur ohne Fehler, sondern auch mit einer Bombenlaufzeit ins Ziel. So reichte es gleich am ersten Tag für einen Podestplatz, wenn auch nicht ganz vorne. Die Siegerehrung beim Jutlandia-Cup ist auch etwas ganz besonderes, denn es wird neben dem Namen des Hundeführers auch noch die Nationalität erwähnt und wenn dann also "Peter Wirth from Germany" aufgerufen wird, jubelt und applaudiert die gesamte deutsche Starterriege, schwenkt Flaggen, trötet und wirft Deutschlandhüte in die Luft; unabhängig davon, ob man den deutschen Starter nun kennt oder nicht. Allein aus diesem Grund ist es wichtig seine Fanbekleidung der Fußballweltmeisterschaft zu solch einem Event mitzunehmen, um auch beim Aufruf anständig bekleidet vor die versammelten Sportlerinnen und Sportler zu treten. Das wussten wir im Vorfeld auch nicht und so schnappte ich mir einfach den Deutschlandhut, den Michaela auf ihrem Kopf trug. Völlig überrascht ob dieser Tatsache haben wir es verpasst von der Siegerehrung des ersten Tages Fotos zu machen. Vielleicht liest ja jemand diese Zeilen und sendet uns noch eins von der A3 Large des ersten Tages zu. Das Ereignis wurde natürlich abends vor dem Zelt gebührend mit dem ersten Fässchen Becks Gold, Steaks und Käsegrillern gefeiert.
Bei den Läufen im A-Lauf als auch im Jumping 3 am Dienstag strotzte ich nur so voller Selbstvertrauen und brachte beide Läufe recht sicher und mit zwei V´s, davon einen fehlerfrei mit Donna ins Ziel. Es reichte in beiden Läufen für Platzierungen unter den Top 30 und ich war mal wieder megastolz auf mein an diesem Tag sehr aufmerksames Mädchen.
Am Mittwoch lief es ähnlich. Zunächst erschallte wie an jedem Morgen pünktlich zum Wecken um 07.30 Uhr Ötzis "Ein Stern" ! Das Jutlandialied ertönte ebenfalls all morgendlich und rief die Sportler ab 08.00 Uhr zu ihren ersten Parcourbegehungen! Ines, Michaela und ich hatten echt Glück das wir in der A3 starteten, so konnten wir uns morgens nach den musikalischen Weckrufen noch einmal umdrehen und in Ruhe frühstücken. Zumindest dachte ich das, denn ich konnte Nina´s Bitte Sie und Pitú zu filmen nicht ausschlagen. Der Grund war darin zu suchen, dass Nina am zweiten Tag ebenfalls auf dem Treppchen stand, was natürlich am Vorabend gebührend gefeiert wurde und Ines noch ein wenig angeschlagen auf ihrer Matratze lag und an ein Aufstehen in absehbarer Zeit nicht zu denken war.
Unsere Läufe heute konnten sich eigentlich sehen lassen. Im A-Open war ich zumindest mit unserer Laufzeit sehr zufrieden und so sortierten wir uns zeitlich gesehen zwischen diverse WM Teilnehmer ein. Leider hatte ich Donna über einem Hindernis angesprochen, was zu einem Stangenabwurf geführt hatte. Der nachmittägliche A-Lauf hatte mehr als WM Niveau. 2 Tunnelverleitungen beiderseits jeder A-Wand Seite sowie 2 Tunneleingänge neben dem Laufstegaufgang. Unser Ende kam, um es gleich vorwegzunehmen, am Laufstegaufgang. Donna zog es vor in einem der Tunneleingänge zu verschwinden, was ich jedoch nicht als Schande empfand, da ca. 95% aller A3 Sportler an dieser Stelle scheiterten.

Donnerstag war unser freier Tag, gemeinsam mit Nina und Ines und insgesamt fünf Hunden ging es einmal quer durch Dänemark an die Nordseeküste nach Veijers-Strand etwas nördlich gelegen von Esbjerg. Der Weg war zumindest für die Mädels etwas weiter als erwartet und die Fahrt mit Nina am Steuer hatte zumindest in den zahlreichen Kreisverkehren Rallyeniveau. Am Strand angekommen wurden mit wunderbarem Wetter und einem endlos langen Sandstrand empfangen. Nicht nur die Hunde durften an den Strand sondern auch die Autos. Nina´s noch unerfahrenes auf-weichem-Sand-fahren mit einem Nicht-Geländewagen glich ein wenig dem Aquaplaning, aber was tut man nicht alles, damit man nicht so weit laufen muss, die Vorräte direkt aus dem Auto holen und sich im Notfall in den Schatten des Wagens legen kann, was ich besser an diesem Tag getan hätte. Ein leicht bis mittelschwer geröteter Oberkörper war das Ergebnis des Tages.
Nun, ein freier Tag war auch irgendwann mal vorbei, es fehlten also noch zwei Turniertage am Freitag und Samstag, die selbstverständlich allesamt, wer hätte etwas anderes erwartet, ohne Platzierungen endeten. Da die Läufe allerdings alle im V-Bereich lagen, waren wir im Endeffekt mit dem Erreichten der letzten Tagen mehr als zufrieden. In der Hoffnung von dem erlebten, gesehenen und erlernten einiges in der Zukunft umsetzen zu können, brachen wir dann bei einsetzenden Regenwetter sonntags nach dem Frühstück in Richtung Heimat auf. Mein Mädel lag während der Fahrt zurück kaum in ihrer Box, da fielen ihr auch schon die Augen zu. Auch wenn wir nun zunächst eine größere Turnierpause einlegen werden sind wir sicher, dass uns Dänemark hoffentlich nicht das letzte Mal auf einem Agilitycup gesehen hat.
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