Ausbildung und Einsatz zum Koppelgebrauchshund
Wie "funktioniert" eigentlich dieser Hütetrieb? Wichtigste Tatsache ist, dass der Hütetrieb auf dem natürlichen Beuteverhalten des Wolfes basiert. Diesen Instinkt hat der Mensch gefördert und sich zu Nutze gemacht. Das Hüten des Viehs durch den Border Collie ist daher nichts anderes als das “bejagen” eben dieses! Gut zu erkennen und bezeichnend hierfür ist die geduckte Arbeitshaltung, die der Border Collie während der Arbeit einnimmt.
Hinweis: Die eingezogene Rute, teilweise bis unter den Bauch geklemmt, ist nicht, wie oft irrtümlich angenommen, ein Zeichen von Angst, sondern ein Zeichen von höchster Konzentration!
Der Ursprung des Hüteverhaltens liegt bei der gemeinschaftlichen Jagd, wie sie bei Wölfen üblich ist. Die Rudelmitglieder jagen in der Regel gemeinsam, wobei jedem Mitglied eine eigene Aufgabe bei der Jagd zugewiesen ist. Die eigentliche Beute wird vom Rudel ausgekuckt, anschließend eingekreist und von dem Rest der Herde abgetrennt und in die Enge getrieben. Zu guter Letzt wird das Beutetier getötet und vom Rudel verzehrt!
Ähnlich funktionieren auch unsere Hunde, indem auch sie zunächst die Beute umkreisen und sie dem “Alphatier” also ihrem Herrn zutreiben. Die wichtigste Aufgabe ist, bei der Ausbildung darauf zu achten, dass es niemals zur Endhandlung beim jagen kommt, also dem Töten des Viehs! An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass in vielen Linien die Neigung zur Endhandlung durch Zuchtselektion auf ein Minimum reduziert wurde.
Sie sollten wissen, dass in Großbritannien bis vor wenigen Jahren noch Hunde, welche Schafe bissen oder gar töteten sofort erschossen wurden. Die Schäfer wussten aus Erfahrung, dass man diese Verhalten den Hunden nur schwer oder gar nicht mehr abgewöhnen konnte. Des weiteren ließ sich früher kein Schäfer, dessen Kapital die Schafe waren, seine Schafe durch einen jagenden Hund verletzen oder töten!
Betrachtet man das Hüten aus diesem Blickwinkel, so dürfte es wohl jedem einleuchten, dass zunächst die Rangordnung zwischen Hund und Mensch ohne jeden Zweifel geklärt sein und eine Teamfindung stattgefunden haben muss! Dieses ist äußerst wichtig, denn ich benötige einen Hund, der mir bei der täglichen Arbeit hilft und keinen der meine eigenen Tiere wildert. Daher ist bei der Erziehung und Ausbildung eines Border Collies, sei es für die Arbeit am Vieh oder auch als Sporthund, von größter Wichtigkeit, ihm niemals das jagen zu gestatten, oder auch nur den Ansatz eines jagdlichen Verhaltens zeigen zu lassen. Dieses Gebot gilt beim Vieh auf der Koppel ebenso wie beim Spaziergang durch Wald und Flur!
Wann beginnt man mit der Ausbildung?
Wenn der Border Collie ca. ein Jahr alt ist, kann allmählich mit der Ausbildung zum Hütehund begonnen werden. Zunächst sollten wir ihm erst einmal die Möglichkeit geben in Ruhe erwachsen und reif zu werden, auch wenn viele junge Hunde sich bereits in jungem Alter Bereitwilligkeit für die Arbeit zeigen. Vorher ist er, wie jeder andere Hund auch, einfach nur ein Welpe, der spielen und seinen Grundgehorsam erlernen muss. Sitz, Platz und Fuß dürfen für ihn keine Fremdworte sein, wenn er zum erste mal zum Vieh gelassen wird.
Zunächst lernt er das Sammeln und Hinterherbringen der Tiere, also etwas, das sein Instinkt ihm ohnehin sagt. Dies ist für den Border Collie kein Problem, denn er arbeitet sehr gerne für uns Menschen. Meine Border Collies sind nicht nur einfach Hunde, sondern richtige Kumpel, die sich jederzeit freuen, wenn es etwas zu tun gibt. Mit ein wenig Anleitung und zunächst kleinen Korrekturen bringen viele Border Collies ihrem Herrn fast von allein die Tiere hinterher. Ist er hierin sicher, lernt er die Richtungskommandos für rechts und links. Nun ist mein Hund schon recht gut lenkbar und ich kann anfangen ihm das Wegtreiben und Trennen verständlich zu machen. Habe ich den Border Collie soweit, dass er mir auf natürliche Weise die Tiere bringt und zudem noch lenkbar ist, gibt es keinen zuverlässigeren und treueren Helfer als diesen.
Wichtig: Man sollte bei der Ausbildung des Hundes beachten, dass der Border Collie sehr stark selbstbelohnend handelt. Es ist daher zu vermeiden, dass man den Hund als Welpen oder Junghund regelmäßig durch den Zaun oder die Boxengitter das Vieh anstarren lässt, da man ansonsten später einen Hund haben wird, der nur schwer das Vieh vorwärts bekommen wird! Er hat sich nämlich in der Zwischenzeit angewöhnt, dass es seine vornehmliche Aufgabe ist, das Vieh anzustarren anstatt vorwärts zu treiben und erlebt hierbei bereits einen wahnsinnigen Adrenalinausstoß, dass er es später gar nicht mehr als notwendig ansieht, das Vieh anderweitig zu arbeiten. Daher gilt äußerste Vorsicht bei der Arbeit mit dem noch jungen Hund und Obacht vor versteckten, sich einschleichenden Angewohnheiten, die sich später ungünstig auf die Arbeit am Vieh auswirken könnten!
Was sind die Grundvoraussetzungen?
Bevor ich mit dem Training am Vieh, in unserem Fall an Ziegen und Schafen, beginne, gibt es einige Grundvoraussetzungen, die unbedingt gegeben sein müssen, bevor ich überhaupt mit der Ausbildung anfange. Dazu gehört, dass der Hund wie zuvor erwähnt, eine konsequente Grundausbildung genossen haben muss. Hierunter verstehe ich einen guten Gehorsam, bei dem ich besonderen Wert auf das Kommen und das Stoppen lege und zwar in allen erdenklichen Lebenslagen! Hört mein Hund bereits beim Spazieren gehen nicht beim ersten Komm-Kommando und kommt unverzüglich zu mir, wie kann ich dann erwarten, dass er dies tut, wenn ich mit ihm am Vieh arbeite, während dessen ja in ihm der Jagdinstinkt erwacht? Ebenso verhält es sich mit dem Stop-Kommando “Lay down”. Stoppt der Hund bereits ohne größere Ablenkung nicht auf mein Kommando, kann ich kaum erwarten, dass er auf mein Zurufen stoppt, wenn gerade eine Gruppe Vieh vor seiner Nase davon geht und er eigentlich gerne hinterher jagen möchte!
Ein weiteres nützliches Kommando beim Training ist Fußgehen. Dies heißt nicht unbedingt, dass der Hund immer links von mir läuft, wie es auf dem Hundeplatz in der Begleithundeprüfung verlangt wird. Das Gegenteil sollte die Regel sein, denn wir wollen einen flexiblen Hund. Daher sollten beide Seiten geübt werden.
Ich erachte es als angenehm, wenn ich mit meinen Hund ohne Leine auf die Koppel gehen kann, mit der Gewissheit, dass er mir nicht gleich davon eilt, sondern auf mein Kommando wartet. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ich nicht ohne Leine, sprich mit reinem Gehorsam, auf die Koppel ans Vieh kann, denn ich kann nicht von meinem Hund erwarten, dass er mir einige Sekunden oder Minuten später beim anschließenden Training zuhört. Dies bedeutet für mich, dass ich meine Hausaufgaben noch nicht richtig erledigt habe und noch ein wenig am Grundgehorsam üben bzw. feilen muss!
Macht mein Hund dies alles zuverlässig, kann ich letztendlich mit der Ausbildung beginnen. Allerdings muss ich zuerst trotz allerbester Grundausbildung und Gehorsam des Hundes sicherstellen, dass dem Vieh nichts passiert. Es sei an dieser Stelle noch einmal erwähnt, dass wir hier mit dem Jagdinstinkt des Hundes arbeiten. Die meisten Border Collies benehmen sich auch anfänglich am Vieh so, sie jagen es! Daher stelle ich das Vieh für das erste anfängliche Training eines jungen Hundes in ein stromloses Knotengitternetz. Dies stellt eine natürliche Hürde und auch einen gewissen Respekt für den jungen Hund dar, so dass ich sicher sein kann, dass er nicht gegenüber von mir, also in der zwölf Uhr Position wo ich nicht direkt eingreifen kann, in die Gruppe springt und eines der Tiere beißt.
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Schlussendlich kann ich anfangen, die natürlichen Vorlieben meines Hundes heraus zu finden und daran zu arbeiten. Der eine hat den natürlichen Trieb, das Vieh direkt zu seinem Herrn zu bringen, ohne dass er das jemals beigebracht bekommen hätte. Der nächste treibt es lieber in die nächste Ecke und hält es alleine durch sein Auge fest. Wieder ein anderer bevorzugt es womöglich, mitten in die Herde zu springen und die Tiere auseinander zu treiben. Dies alles ist reine Charaktersache des Hundes und weder das Eine noch das Andere ist schlechter oder besser! Jeder junge Hund bringt sein ganz persönliches Können mit und sollte willig sein, dazu zu lernen!
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